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GRIECHISCH

Komplettes Schulcurriculum für das Fach Griechisch als PDF-Dokument

Aufgaben und Ziele

Das Fach Griechisch erfüllt für die humanistische Bildung am Lessing-Gymnasium eine zentrale Funktion. Es steht nicht in Konkurrenz zu den Kommunikationsformen der modernen Fremdsprachen und bedeutet auch nicht eine Duplizität des Lateinischen.

Die griechische Sprache und Kultur stellt Ursprung und gemeinsame Wurzel des zunehmend zusammenwachsenden modernen Europas dar und prägt seine Werte zusammen mit dem jüdisch-christlichen Gedankengut von der Antike bis heute maßgeblich. Damit ist Griechisch ein Basisfach für die europäische Kultur- und Geisteswelt.

Die griechische Literatur in ihren unterschiedlichsten Gattungen (z. B. Epos, Tragödie, Geschichtsschreibung, platonischer Dialog) und Themen (z. B. Mythos, Religion, Geschichte, Philosophie, Politik, Ethik) wirft in modellhafter Weise grundlegende Probleme des menschlichen Daseins auf, wie etwa die Frage nach der Aufgabe und dem Glück des Menschen. Mit diesen menschlichen Grundfragen müssen wir uns einerseits in der Gegenwart auseinandersetzen, andererseits werden die antiken literarischen Werke in Inhalt und Form nur über die griechische Sprache voll verfügbar. Daraus ergibt sich, dass dem Griechischunterricht in der heutigen Zeit eine grundlegende Bedeutung zukommt.

Da die griechische Kultur am Anfang Europas steht, erfolgt die Auseinandersetzung mit menschlichen Grundfragen in griechischen Texten gleichsam in der "Jugend" der europäischen Geisteswelt. Ähnlich stehen die Schülerinnen und Schüler, wenn sie sich ab der Klassenstufe 8 mit diesen Fragestellungen befassen, in der Jugend ihrer geistigen Entwicklung. Dadurch fällt der zu behandelnde Stoff pädagogisch günstig zusammen mit der entwicklungspsychologischen Situation der Schüler/innen. So leistet der Griechischunterricht einen wesentlichen Beitrag bei der Erziehung des jungen Menschen zu einer sittlichen Persönlichkeit.

Im Zentrum des Unterrichts steht folglich die Beschäftigung mit der griechischen Sprache und griechischen Texten. Dabei ist es eine Aufgabe des Faches, die Schüler/innen zu besonderen Qualifikationen zu befähigen, die durch das Graecum nachgewiesen und bestätigt werden. Über das Erlangen dieses formalen Abschlusses hinaus hat der Griechischunterricht insbesondere folgende Zielsetzungen:

Der Griechischunterricht fördert sprachliche und hermeneutische Textkompetenz
Die griechische Sprache enthält im Vergleich zum Lateinischen und zu den modernen Sprachen einen besonders großen Reichtum an differenzierten Ausdrucksmöglichkeiten im Bereich der Semantik (z. B. Partikeln) und des Formensystems (z. B. einen vierten Modus, ein weiteres Tempus und Genus verbi) mit den entsprechenden syntaktischen Differenzierungen. Das Reflektieren dieser spezifischen Möglichkeiten fördert die Versiertheit der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Texten und Inhalten. So werden die Schülerinnen und Schüler bei der Texterschließung und -übertragung angeregt, die Ausdrucksmöglichkeiten der fremden Sprache genau zu analysieren, die Möglichkeiten der eigenen Sprache zu reflektieren und sich in differenzierter Weise zu artikulieren. Dieser methodische Umgang mit Sprache animiert zu rationalem wie auch zu ästhetischem Denken. Der Rückgriff auf die griechischen Originaltexte entfaltet in einzigartiger Weise die sprachlichen Möglichkeiten, menschliche Wirklichkeit darzustellen und zu deuten.

Der Griechischunterricht fördert kulturelle und interkulturelle Kompetenz
Er eröffnet über die griechische Sprache den Zugang zur griechischen Literatur und macht die Schülerinnen und Schüler so mit literarischen Werken von hohem Rang bekannt, die sowohl in der Form als auch im Inhalt eine prägende Wirkung auf die europäische Literatur bis heute ausüben. Die Gegenstände des Griechischunterrichts weichen stärker als bei den modernen Fremdsprachen und auch im Lateinunterricht - nicht zuletzt wegen des noch größeren zeitlichen Abstands - von der alltäglichen Welt der Schülerinnen und Schüler ab. So erweckt der Griechischunterricht in besonderer Weise Verständnis für fremde Kulturen, ihre Werthaltungen und Weltdeutungen sowie Einsicht in die historische Gebundenheit von Standpunkten und deren Begründung.

Der Griechischunterricht fördert soziale Kompetenz
Die Beschäftigung mit den griechischen Texten gibt den Anstoß dazu, die Autoren nach ihnen immanenten Wertvorstellungen zu überprüfen und zugleich sich selbst vor dem Hintergrund fremder Kulturen zu reflektieren. Diese kritische Auseinandersetzung erzieht zu Toleranz und Achtung anderen Menschen und Völkern gegenüber. Außerdem verdanken wir den Griechen die Idee der Demokratie, die uns in der griechischen Literatur sowohl durch theoretische Reflexion als auch in praktischer Umsetzung begegnet. Die Texte griechischer Historiker und Philosophen vermitteln exemplarisch Einsichten in politische Strukturen insbesondere in Hinsicht auf die Wechselbeziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft.

Der Griechischunterricht fördert Selbstkompetenz
Die Schüler/innen müssen im Umgang mit den griechischen Texten sowohl fremde als auch eigene selbstverständliche Wertvorstellungen hinterfragen. Sie lernen neben ihrer historischen Dimension auch die Aktualität dieser Texte kennen, da sie Grundfragen der Menschheit in exemplarischer, modellhafter Weise problematisieren und das Humanum in seinen positiven wie negativen Aspekten beleuchten. So regt der Griechischunterricht dazu an, mit kritischer Distanz über gesellschaftspolitische und soziokulturelle Verhältnisse in der Gegenwart nachzudenken. Er fördert die Fähigkeit zu Selbstkritik und Selbstfindung und eröffnet somit Wege zu problemlösendem Denken.

Der Griechischunterricht fördert studien- und berufsbezogene Kompetenz
Der Abschluss des Graecums ist für viele Studiengänge erwünscht, für einige Voraussetzung. Außerdem vermittelt der Griechischunterricht durch die reflektierende Betrachtung der griechischen Sprachstruktur einen wissenschaftspropädeutischen Sprachapparat und leitet so zu abstraktem und strukturellem Denken an. Dadurch werden Fähigkeiten entwickelt, die für die Arbeit in nahezu allen Studiengängen vorteilhaft sind.

Unterrichtsorganisation
Griechisch wird am Lessing-Gymnasium als Wahlpflichtfach neben Englisch und Französisch ab Klasse 8 angeboten.
Der Griechischunterricht beginnt im zweiten Halbjahr der Jahrgangsstufe 7 mit einem einstündigen Vorbereitungskurs, in dem die Schüler/innen eine Einführung in die Sprache und Kultur der Griechen erhalten.
In den Jahrgangstufen 8 bis 10 ist der Griechischunterricht vierstündig, in der Jahrgangstufe 11 dreistündig. Das Hauptgewicht liegt zunächst auf dem Spracherwerb. Dazu wird das Lehrbuch Kantharos verwendet, das von Anfang an mit (teilweise vereinfachten) zusammenhängenden Originaltexten arbeitet.
Spätestens ab dem zweiten Halbjahr der Jahrgangsstufe 10 beginnt die Lektüre, bei der das Hauptgewicht auf der inhaltlichen Arbeit liegt. Nach erfolgreichem Abschluss der Jahrgangstufe 11 wird das Graecum erteilt.
In der Qualifikationsphase, den Jahrgangstufen 12 und 13, kann Griechisch als Leistungs- bzw. Grundkurs bis zum Abitur weitergeführt werden.
Der Griechischunterricht soll durch außerunterrichtliche Projekte (Museumsbesuche, Exkursionen etc.) ergänzt und vertieft werden. In der Jahrgangstufe 13 soll eine Studienreise nach Griechenland die humanistische Bildung vor Ort veranschaulichen.

gez. Pult, Scholl