Lessing-Gymnasium, Fürstenbergerstraße 166, 60322 Frankfurt am Main
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LATEIN

WARUM LATEIN?

1. Latinum - eine technische Vorbemerkung
Das Latinum bzw. Lateinkenntnisse sind Zulassungsvoraussetzung für zahlreiche Studiengänge: z.B. Deutsch, Geschichte, Philosophie, Theologie, Pharmazie, Medizin, Rechtswissenschaften. Wer in Klasse 5 mit Latein beginnt, erhält das Latinum mit Abschluss der Klasse 10. Das Latinum bzw. Lateinkenntnisse an der Universität zu erwerben, ist mühsam und zeitaufwändig: "Was Hänschen nicht lernt..."!

2. "Mutter Latein"
Latein ist die Muttersprache Europas. Ihr Wortschatz und ihre Strukturen leben in europäischen Sprachen wie Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Rumänisch oder Katalanisch fort. Latein zu lernen, erleichtert nicht nur den Erwerb dieser Sprachen, sondern bereitet auch auf das Erlernen anderer Fremdsprachen vor: Wer eine Sprache wie das Lateinische in ihren Bauelementen begriffen hat, dem hilft diese Fähigkeit beim Erlernen jeder weiteren Fremdsprache.

3. Latein erleichtert das Verstehen von Fremdwörtern
Stets begegnen uns im täglichen Leben, in Politik, Wirtschaft und Werbung Fremd- und Lehnwörter aus dem Lateinischen. Die Kenntnis der lateinischen Wurzeln befähigt dazu, sich die Bedeutung vieler Fremdwörter und fachsprachlicher Ausdrücke abzuleiten und sich in der wissenschaftlichen und technischen Begriffswelt zurechtzufinden.

4. Latein fördert die muttersprachliche Kompetenz
Der beständige Umgang mit beiden Sprachsystemen beim Übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche fördert eine bewusste Verwendung der Muttersprache. Latein vermittelt die Fähigkeit, sprachliche Strukturen zu durchdenken, Ausdrucksmöglichkeiten abzuwägen und Gedanken angemessen zu formulieren. Die eigene Lese- und Schreibfähigkeit werden trainiert, die Kommunikationsfähigkeit wird gefördert.

5. Latein ist eine Schule des Denkens
Wer sich mit lateinischen Texten beschäftigt, muss mit Gründlichkeit, Genauigkeit, Geduld und Kombinationsvermögen beim Suchen und Überprüfen von Lösungen vorgehen. Denn anders als das Deutsche erschließt sich das Lateinische durch die genaue Betrachtung der sprachlichen Details: Endungen zu beachten, ist der Schlüssel zum Verständnis! Problemlösendes Denken und Selbstdisziplin sind Voraussetzungen von Studierfähigkeit und Schlüsselqualifikationen in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik.

6. Latein trainiert das Gedächtnis
Kontinuierliches Memorieren der Vokabeln und Formenlehre sind das tägliche "Gehirnjogging" jedes Lateinschülers. Verschiedene Mnemotechniken, effiziente Lernmethoden und Konzentrationsfähigkeit sind das Handwerkszeug, das Latein seinen Schüler/innen mit auf den Weg gibt. Deshalb sollte man möglichst früh mit Latein beginnen.

7. Lateinische Literatur vermittelt Einsichten in die geistigen Fundamente Europas
Die lateinische Literatur bietet einen Zugang zu den Wurzeln unserer europäischen Identität. Die Beschäftigung mit der Antike vermittelt Basiswissen über europäische Kunst und Architektur, Philosophie und Mythologie, Verfassung und Recht, Wissenschaft und Technik. Wer Latein lernt, reflektiert und erweitert eigene Denkhorizonte, vertieft sein Gespür für kulturelle Kontinuität und erhält Einsichten in die eigene kulturelle Bedingtheit.

8. Latein bietet Modelle eigener Lebensgestaltung
Wer lateinische Schriften liest, lernt Prinzipien und Konzeptionen menschlicher Lebensgestaltung kennen. Menschliche Grunderfahrungen wie Glück, Verzweiflung und Hoffnung, aber auch existentielle Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach Verantwortlichkeit in gesellschaftlichen Zusammenhängen werden in antiken Texten thematisiert. Lateinische Texte fordern dadurch, dass sich historische Distanz und thematische Aktualität in ihnen verbindet, zur Selbstreflexion durch Fremderfahrung auf. "Latein ist ein Besitz fürs Leben", so der Münchner Fachdidaktiker Dr. F. P. Waiblinger.

9. Latein lehrt kritisches Denken
Lateinische Literatur lädt dazu ein, sich mit dem Zusammenhang von Inhalt und sprachlicher Form auseinanderzusetzen. Das schärft den Blick dafür, dass Sprache zweckgebunden eingesetzt werden kann. Dieser Blick hilft dabei, eine kritische Distanz zu Gelesenem einzunehmen und Sprachmanipulationen zu entlarven.

10. Latein macht Spaß
Dass Latein dröge und trocken sei, kann man angesichts der modernen Lehrmittel nicht sagen. Ostia altera, das an unserer Schule eingesetzte Lehrwerk, bietet Identifikationsangebote mit der Familia Pomponia und nimmt die jungen Lateinlernenden mit in die Welt des antiken Lebens in der Stadt und auf dem Land. Grammatische Strukturen werden anschaulich vermittelt, das Erschließen von Satzstrukturen, Vokabellernen mit Karteikästen, Vokabelmemory und Vokabelfußball machen Latein zu einem geistigen Vergnügen.

Und schließlich: Latein ist eine tolle Sprache, die durch ihre Prägnanz und Ausdrucksdichte begeistert!

Fächerverbindender Grammatikunterricht Latein-Deutsch

Durch eine fächerverbindende Zusammenarbeit der Fächer Deutsch und Latein lernen die Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums, Inhalte des einen Faches auch im anderen Fach zu aktualisieren und anzuwenden. In beiden Sprachen erworbene Kenntnisse werden dadurch gegenseitig nutzbar gemacht. Der Vergleich der beiden Sprachsysteme soll unsere Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, beide Sprachen noch grundlegender zu durchdenken. Durch diesen Synergieeffekt sind einerseits Parallelen innerhalb der beiden Fächer einfacher zu begreifen, das Erkennen von Unterschieden andererseits vertieft das Verständnis des jeweiligen Sprachsystems. Dies ist bei der Erschließung lateinischer Texte hilfreich, die den gleichzeitigen Umgang mit beiden Sprachsystemen erfordert. In regelmäßigen Abständen finden - bislang in den Jahrgängen 5 und 6 - Koordinationsrunden aller Deutsch- und Lateinkollegen statt, die innerhalb eines Jahrgangs eingesetzt sind. Die Koordinationskollegen tauschen Erfahrungen aus, treffen Absprachen bezüglich der zeitlichen und inhaltlichen Koordination des Grammatikunterrichts in beiden Fächern und erarbeiten fächerverbindende Materialien.
Bei der Entwicklung unserer Schulcurricula haben sich die Fachkonferenzen Deutsch und Latein auf die Durchführung eines Stationenlernens in Jahrgang 5 verständigt, das die Vermittlung von Methodenkompetenzen und die Förderung fächerverbindenden Arbeitens zum Ziel hat:

Stationenlernen 'Satzteile unter die Lupe genommen'



"Im Stationenlernen 'Satzteile unter die Lupe genommen' begegnen Friederike Fuchs und Publius Pomponius einander und tauschen Kenntnisse über ihre Sprachen aus. Dabei lernst auch du viel Neues über die Satzteile im Lateinischen und im Deutschen. Wenn du dir dein Wissen, das du bereits vom Lateinischen hast, ins Gedächtnis rufst und auf die Satzglieder im Deutschen anwendest, wird dir vieles leichter fallen."

Im Rahmen dieses Projektes arbeiten die Schülerinnen und Schüler aller Klassen der Jahrgangsstufe 5 eine Woche lang an Stationen zum Thema Satzteile. Die Materialien wurden im Hinblick auf die an unserem Gymnasium eingesetzten Lehrwerke der beiden Fächer erstellt. Was die Schülerinnen und Schüler im Laufe ihres Lateinunterrichts bereits über Satzglieder gelernt haben, übertragen sie nun auf die Satzglieder im Deutschen, entdecken Gemeinsamkeiten und Unterschiede und begreifen dadurch nicht nur leichter und intensiver, sondern entwickeln zugleich ihre Fähigkeit zu selbstständigem und teamorientiertem Lernen.

gez. U. Mees, StRn